Leseprobe zu
Heft 186
 
Natur und Landschaft
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Historisches Plakat wirbt für die Wallbergbahn im Winter

Noch bevor er Angestellter der Wallbergbahn wurde, half Sepp Reischl schon im Winter beim Streckendienst der Abfahrt mit: „Es gab ja noch keine Pistenraupe. Da haben wir noch mit der Schaufel gearbeitet und den Hang mit Skiern getreten.“ Als der Winterbetrieb ins Laufen kam, „bildeten sich lange Schlangen vom unteren Parkplatz bis zum Eingang. Es war eine Mordsarbeit, bis wir die Leute alle hinaufgebracht haben. Oben waren die Lifte manchmal eingeschneit, das mussten wir dann erst ausschaufeln, sonst wäre nichts gegangen.“ Reischls Frau Marianne erzählt von der Bergung verunglückter Skifahrer, als es noch keine Akjas gab, sondern nur einen Rettungsschlitten aus verschraubten Skiern: „Mein Mann war ein sehr guter Skifahrer, deshalb war er mit der Rettung beauftragt, vor allem unter der Woche. Die Bergwacht, bei der er inzwischen auch seit 75 Jahren Mitglied ist, war nur an Wochenenden und Feiertagen dort im Dienst.“

1983 ging Sepp Reischl bei der Wallbergbahn offiziell in Rente. Tatsächlich blieb er ihr aber noch weitere 20 Jahre treu. Auf Mini-Job-Basis übernahm der rüstige Rentner Hausmeisterarbeiten und kümmerte sich um die Sauberkeit der Gondeln. „Die Bahn war ein sehr kulanter Arbeitgeber. Unsere Familie konnte jederzeit umsonst die Lifte benutzen, so lernten meine Kinder und ich auch das Skifahren“, lacht Marianne Reischl. 1982 erwarb der Münchner Bauunternehmer Josef Schörghuber die Anteile der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank an der Wallbergbahn AG. In den Folgejahren und -jahrzehnten wurde die Bahn technisch modernisiert. 1995 ersetzte der neue Betreiber die 44 alten durch 50 neue Kabinen. Drei Jahre später stellte die Wallbergbahn GmbH mit dem Bau des neuen Panoramarestaurants eine weitere wichtige Weiche für die Zukunft. Ein besonders zuverlässiges Relikt versah dagegen sogar noch zur Jahrtausendwende seinen Dienst – ein alter U-Boot-Diesel als Notstromaggregat.

Lassen wir zum Abschluss Quirin Hagn weitersprechen: „Es ist ein traumhaft schönes, sicheres Schweben, das mit einzigartigen Blicken in das Tegernseer Tal, auf den Kranz der umliegenden Berge und auf die sich immer neu zeigenden Gipfel der Hochgebirgswelt überrascht. Die Unterhaltung verstummt, der Mund schweigt, Augen und Herzen öffnen sich.“ Wenn es schon 1927 mit der Finanzierung geklappt hätte, wäre die Bergbahn auf den Wallberg demnächst eine Hundertjährige. Aber auch 75 Jahre muss man erst einmal erreichen. Den Wallberg ohne Seilbahn kann sich jedenfalls niemand mehr im Tal vorstellen, auch der Sepp nicht.

Klaus Wiendl

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