Leseprobe zu
Heft 186
 
Natur und Landschaft
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Abschnitt der Walbberg-Bahn mit Gondel und Tegernsee im Hintergrund

Menschen, Mulis und Maschinen: Vor 75 Jahren gelang etwas, was heute unvorstellbar ist

Wie der Wallberg zu seiner Bahn kam

„…. ein traumhaft schönes, sicheres Schweben.“ So beschrieb Heimatdichter Quirin Hagn eine Fahrt auf den Wallberg. Seit ihrer feierlichen Eröffnung am 20. April 1951 hat die Schwebebahn mehr als 15 Millionen Gäste auf 1.624 Meter Höhe befördert. Über 200 Arbeiter errichteten damals das Millionenprojekt. Unser Autor hat den letzten dieser Zeitzeugen getroffen.

Wer Josef Reischl im Rottacher Ortsteil Trinis aufsucht, findet den inzwischen 97-Jährigen schnell. Denn im Garten, für alle sichtbar, steht eine „Kabine“ der ersten Stunde, sein ganzer Stolz. Auf seinen langjährigen Arbeitgeber, die Wallbergbahn, deren silbern glänzende Gondeln er von seinem Grundstück aus täglich im Blick hat, lassen Josef Reischl und seine Frau Marianne nichts kommen. Ab 1959 war der begeisterte Bergsportler fest angestellt. Doch Reischl hatte bereits im Herbst 1950 die ersten Baumaßnahmen für die künftige Attraktion des Tegernseer Tals erlebt, dies noch als Mitarbeiter einer der ausführenden Baufirmen für Hoch- und Tiefbauten, der „Held und Francke Bau A.G.“

Die Wallbergbahn AG selbst war erst kurz zuvor, am 10. Juni 1950, gegründet worden. Keine vier Monate später – und damit aus heutiger Sicht absolut unvorstellbar – begann man mit dem Bau. Im Zentrum der Vorbereitungen standen der Ingenieur Kurt Becker, der gemeindliche Kassenverwalter Sebastian Daimer und Rechtsanwalt Dr. Karl Schnell, die unter Führung der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank mit einem Grundkapital von 975.000 Mark die AG auf die Füße stellten. Als Grundlage dienten Pläne aus dem Jahr 1927. Schon damals hatte eine Gruppe um den Gasthofbesitzer Max Bachmair versucht, Investoren für die Errichtung einer Großkabinen- Pendelbahn zu gewinnen, die stündlich 200 Personen auf den Wallberg befördern sollte. Ab dem 1. Oktober 1927 wurden Anteilscheine für „Teilbeträge“ zur Finanzierung der „Wallbergbahngesellschaft“ ausgegeben. Die „weiteren Raten“ waren im Laufe des Jahres 1928 „auf Anfordern“ zu begleichen. Doch trotz einer in Aussicht gestellten Rendite von fast acht Prozent gelang es nicht, das für den Bau erforderliche Kapital zu sammeln. Das Projekt scheiterte.

Als sich dann nach der Währungsreform 1948 und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung die ersten Feriengäste meldeten, wurden die Pläne für den Bau einer Wallbergbahn wieder aus der Schublade geholt. Der Mut zum Risiko wuchs. Vorangetrieben wurde das Projekt vor allem vom Rottacher Sebastian Daimer, der nach seiner Heimkehr aus dem Krieg die Gemeindekasse führte, nach Fertigstellung langjähriger Direktor der Wallbergbahn werden sollte und 1953 gleich noch den Tegernseer Tal Verlag gründete. Zeichner der „Gewinnanteilscheine im Nennwert von Hundert deutschen Mark“ waren einige Hoteliers und die Gemeinde selbst. Es gelang Daimer, unterstützt vom damaligen Bürgermeister Josef Schultes und dem Gemeinderat, alle privat- und öffentlich-rechtlichen Hindernisse für den Bau der Bahn aus dem Weg zu räumen. Statt einer Großkabine wie 1927 entschied man sich jetzt für Gondeln mit vier Sitzen, die einen flexibleren Betriebsablauf ermöglichten. Die Schneise für die Seiltrasse, die dafür geschlagen werden musste, führte über eine Länge von 2.130 Metern an der westlichen Seite des Brunntalgrabens auf das 1.624 Meter hoch gelegene Plateau zwischen dem Wallbergkircherl und dem eigentlichen Gipfelanstieg.

 

 

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